Passion unter dem Bild des Auferstandenen

Eine bewegende Aufführung der Johannespassion in der Lutherkirche in Bruchsal

Manche Zuhörer waren erstaunt, wie schnell die zwei Stunden der Johannespassion von Johann Sebastian Bach vergangen waren. Es ist ein anspruchsvolles Werk, für Ausführende wie für Zuhörende. In kunstvoller Weise sind in Bachs Komposition der biblische Passionsbericht und die ihn kommentierenden Choralsätze, Rezitative und Arien miteinander verwoben. Es gelang den Aufführenden, den Spannungsbogen über die gesamte Dauer der Aufführung aufrechtzuerhalten.

Der Kammerchor sang in der Bruchsaler Aufführung der Passion klangschön, intonationssicher, oft von packender Dramatik und starker und differenzierter Expressivität, die nie ins Gefühlige abrutschte. Die Turba-Chöre zeigten den Chor in verschiedenen Rollen der Handlung: Er verkörperte die gläubige Gemeinde, den wütenden Mob, die hämischen Kriegsknechte, die arroganten Gesetzeslehrer, und gab jeder dieser Gruppen eine eigene Klangfarbe, einen eigenen musikalischen Ausdruck.

Ins Zentrum seiner Interpretation stellt Sebastian Hübner die Choräle, die er als meditative Ruhestellen inmitten des dramatischen Geschehens interpretierte.

Daniel Schreiber (Tenor) gestaltete seine Arien mit intensiver Textausdeutung und führte als Evangelist mit schlanker und beweglicher Stimme durch die Passion, sang aber auch sprachgewaltig und ausdrucksstark: »Barrabas aber war ein Mörder.« In diesen wenigen Worten offenbarte sich das gesamte Drama der Leidensgeschichte.

Markus Lemke (Bass) sang die Jesusworte souverän, mimisch und stimmlich sehr differenziert und zeigte, dass in der Passion Jesu schon die Auferstehung mitgemeint ist. 

Matthias Horn (Bass) gestaltete seinen Part flexibel und klangschön. Ein überraschender Moment der Passion ist die Arie »Mein teurer Heiland«, in der sich der Sänger mit dem Chor verbindet, um gemeinsam über den Tod Jesu und seine Erlösung zu meditieren.

Magdalene Harer (Sopran) sang mit perlender Leichtigkeit, berückender Schönheit und mit großer Innigkeit, besonders spürbar in ihrer letzten Arie: »Zerfließe, mein Herze«. Wer wollte sich dieser Aufforderung nicht anschließen?

Nora Steuerwald (Alt) berührte mit warmer, einfühlsamer Stimme und mit ihrer tiefen Interpretation die Zuhörer, besonders in der Arie »Es ist vollbracht«, einer der vielen Höhepunkte der Aufführung.

Das neu formierte Solisten-Orchester »Kraichgau Barock« spielte stehend auf alten Instrumenten und unterstützte Solisten und Chor in einer ganz eigenen Klangsprache.

Gemeinsam gelang es den Künstlern unter der präsenten und sensiblen Leitung von Sebastian Hübner, Bachs komponiertes Glaubensbekenntnis vor dem überlebensgroßen auferstandenen Christus der Lutherkirche sinnlich erfahrbar werden zu lassen.

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