Mit freundlicher Genehmigung von Johann Beichel.

Der Kammerchor singt im Fürstensaal des Bruchsaler Schlosses

Motetten von Heinrich Schütz und Johann Hermann Schein

Foto: Johann Beichel

Mit dem hochaktuellen Thema „Verleih uns Frieden gnädiglich“ war das Konzert des Bruchsaler Kammerchors unter der Leitung von Sebastian Hübner im Fürstensaal des Schlosses überschrieben. Dort erklangen frühbarocke geistliche Motetten zweier befreundeter Großmeister des Genres, von Heinrich Schütz und Johann Herrmann Schein, dem Thomaskantor in Leipzig ab 1616. Nach Praetorius’ Tod war Schütz Kapellmeister am sächsischen Hof in Dresden. Schein war auch ein gefeierter Musiker seiner Zeit und sein „Israelsbrünnlein“ zählt zu den bedeutendsten deutschen Motetten-Sammlungen des 17. Jahrhunderts. Heinrich Schütz gilt unter allen deutschen Komponisten als der prominenteste des Frühbarocks und als erster von europäischem Rang.

In viermaliger Folge werden je drei Motetten interpretiert, deren Auswahl vom Kontemplativen bis Zuversichtlichen, vom alttestamentarisch Fragenden zur gläubigen Gewissheit der Paulusbriefe reicht. Zwischen den Chorbeiträgen kommen die hochmotivierten Instrumentalisten des vorzüglichen Continuo-Trios „aus der Deckung“ und interpretieren Werke alte Meister, von Nicolai, Grandi und Castello auf Gambe, Theorbe und Violone. Michael Spengler, Rudolf Merkel und Ulrike Klamp sind ideale Partner des Chores, die als Begleiter und auch in ihren delikaten Triobeiträgen im opulenten Raumklang des Prunksaales einen idealen Gestaltungspartner finden. Für Zuhörer ist der Fürstensaal akustisch reiner Genuss, für Sänger und Chöre hingegen ein Wagnis, nicht aber, wenn man wie Hübner und sein Bruchsaler Kammerchor so meisterlich damit umzugehen weiß. Die Textverständlichkeit gelingt dabei so überzeugend, dass es des liebevoll gestalteten Programmheftes kaum bedurfte. Maximale Transparenz und intonatorische Sicherheit gelingt auch in Dur-Moll-Querständen und Anfangstonarten zaubern Dirigent und Chor aus dem Nichts. In der ersten Schütz-Motette „Das ist je gewisslich wahr“ ist die angespannte Konzentration für entspanntes Gestalten nicht die ideale Voraussetzung, weicht aber bereits im nachfolgenden Beitrag einer zupackenden Lockerheit. Im Finale wird die ausladende Doxologie von Heinrich Schütz „Die Himmel erzählen die Ehre Gottes“ als sechsstimmige Motette Nr. 18 aus der Geistlichen Chor-Musik überzeugend interpretiert.

Maestro Hübner ist vom Fach. Er lehrt an der kirchenmusikalischen Hochschule in Heidelberg und ist selbst gefragter Solotenor, dementsprechend professionell seine stimmbildnerische Kompetenz, die sich in erstaunlicher Homogenität der chorischen Stimmregister zeigt. Gestaltungsvitalität und rhythmische Präzision erreicht er durch die Akzentuierung aller Konsonanten, die dann Gestaltungslebendigkeit, Frische und sympathisches Federn auslösen. Der Chorleiter zeichnet mitreißend, vorausschauend und mimisch durchweg ermutigend, erreicht ein zupackendes Forte, aber auch ein filigranes tragfähiges Piano mit seinen 30 Stimmen im Chor. Einmal mehr zeigt sich in diesem anspruchsvollen und meisterlich gelungenen Chorkonzert, dass unplugged, weil leibhaftig und lebendig gesungen und gespielt bezüglich Rührung, Überzeugungskraft und Tiefe aller Lautsprechermusik haushoch überlegen ist.

Johann Beichel

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