Text und Bild mit freundlicher Genehmigung von Thomas von Haefen
(Bruchsaler Rundschau von 23. 12. 2019)

Kammerchor Bruchsal präsentierte Bachs Weihnachtsoratorium in der Stadtkirche

 

Bachs wohl populärstes und beliebtestes sakrales Werk, sein Weihnachtsoratorium, war am Samstagabend in der Bruchsaler Stadtkirche zu hören. Sebastian Hübner, seit Anfang 2019 künstlerischer Leiter des Kammerchores Bruchsal, hatte sich mit seinem Ensemble dieses beeindruckenden Werkes angenommen und brachte 4 von den 6 Teilen gemeinsam mit dem Karlsruher Barockorchester und 4 geladenen Solisten zur Aufführung. Erstmals aufgeführt wurde die einzelnen Stücke, in dessen Mittelpunkt die Vertonung der Weihnachtsgeschichte steht, zwischen dem ersten Weihnachtstag 1734 und dem Heiligen Drei Königstag 1735 in der Nikolaikirche und Thomaskirche zu Leipzig, die gesanglichen Parts übernahm bei der Uraufführung der schon damals hochangesehene Thomanerchor, Bach als Kantor leitete die Musiker. Danach startete das einzigartige Werk seinen Siegeszug rund um die Welt, das bis heute gerne in der Advents- und Weihnachtszeit aufgeführt wird. Musikalisch ist das Werk in der Tradition der großen Passionen und Oratorien von Bach zu sehen. Auf die Rezitative, die den Bibeltext erzählen, folgen mit den Arien freie Dichtungen, die die Geschichte quasi erläutern und vertiefen sowie die Choräle, die denselben Zweck verfolgen. Bach komponierte nicht die gesamte Musik dafür neu, vielmehr übernahm er einzelne Passagen aus zuvor in Auftragsarbeit erstellten weltlichen Werken, wie z.B Beispiel der Eingangschor „Jauchzet frohlocket“. Und bereits bei diesem zeigte sich bei der Bruchsaler Aufführung die ganze Qualität der beteiligten Musiker, die den mehr als 500 Besuchern einen beeindruckenden musikalischen Abend bereiteten. Das 24- köpfige Karlsruher Kammerorchester musizierte ungemein homogen und ausgewogen, mit feinfühliger Dynamik und exzellentem musikalischem Empfinden Bachs spezielle Rhythmik meisternd. Auch der Kammerchor war bestens aufgelegt, in allen Stimmen bestens besetzt und bot die Chöre und Choräle mit großer Intensität dar. Sebastian Hübner leitete das ganze mit leichter Hand souverän und konsequent, lediglich die nicht gerade optimale Akustik der Stadtkirche konnte auch er nicht beeinflussen, so hatten die Flöten und Violinen bei gleichzeitigem Spiel der Trompeten und Pauken fast keine Chance gehört zu werden, insbesondere nicht bei den groß angelegten Eingangschören der Kantaten. Mit dieser Akustik hatten auch die Solisten ein wenig zu kämpfen, die Sopranistin Cornelia Winter ging leider ein wenig unter, Georg Gädker Bass wusste sich dagegen besser durchzusetzen. Herausragend sicherlich der Countertenor Franz Vitzthum, dessen Darbietung seiner Arien mit seiner speziellen Stimmfärbung und intensiven Interpretation eine Offenbarung waren, überzeugend auch der Tenor Christian Rathgeber bei seiner Interpretation der Rezitative. Alles in allem eine sehr feine Aufführung, die die Besucher begeisterte, unverständlich aber, das auf dem Marktplatz parallel noch eine Veranstaltung lief, die mit Lautsprecherlärm die Aufführung doch sehr beeinträchtigte.

(Thomas von Haefen) 

 

Rätsel zum Weihnachtsoratorium

    1. »Tönet, ihr Pauken! Erschallet Trompeten«,  – »Durch die von Eifer entflammeten Waffen«  – »Lasst uns sorgen, lasst uns wachen«?
      Was haben diese Stücke gemeinsam?
      Das sind Sätze aus weltlichen Kantaten Bachs, die er im WO im sogenannten Kontrafakturverfahren bzw. Parodieverfahren wiederverwendet und mit neuem Text unterlegt hat.

      Im einzelnen:

      ●   Dramma per musica »Tönet, ihr Pauken! Erschallet, Trompeten!« (BWV 214) -> Eingangschor »Jauchzet, frohlocket!« des WO.
      ●   Dramma per musica »Lasst uns sorgen, lasst uns wachen. Die Wahl des Herkules« (BWV 213), die sogenannte »Herkules-Kantate« -> Arie  »Schlafe, mein Liebster, genieße der Ruh« und »Bereite dich Zion«.
      ●   Arie »Durch die von Eifer entflammeten Waffen« aus der Kantate »Preise dein Glücke, gesegnetes Sachsen« (BWV 215) -> Bass-Arie Nr. 47 »Erleucht auch meine finstre Sinnen« im WO.

  1. 14 und 41: Was sagen diese Zahlen?
    Diese beiden Zahlen haben mit der Zahlensymbolik Bachs zu tun. Es sind die Alphabetzahlen für den Namen BACH, 41 erhält man, wenn man die Vornamen dazuzählt: J. S. BACH. 
    14 steht dabei für den Menschen BACH auf Erden, 41 ist die Umkehrung davon und steht für den sterblichen Menschen BACH, für seinen Tod.
  2. Bach und Architektur? Ja, das passt zusammen. Welches Stück im WO beschreibt dieses Bild?Es handelt sich um den Aufbau der Bass-Arie Nr. 8 »Großer Herr, o starker König« aus Teil 1 mit ihrem Da Capo nach 120 Takten. Der »Mittelteil« des gezeigten Gebäudes ist dabei der Teil der Arie, der mit den Worten »Der die ganze Welt erhält« beginnt.
  3. Was gehört nicht ins WO: Tuba? Turba? Turban?
    Die Tuba natürlich! Die gab es zu Bachs Zeiten noch überhaupt nicht. Und im WO gibt es an Blechbläsern nur drei Trompeten und zwei Hörner.
    (Turba passt: Die Textpassagen der zweiten Kapitel der Evangelien nach Lukas und Matthäus sind als Rezitative und Turba-Chöre vertont. Turba-Chor heißt, dass der Chor im Bibeltext auftretende Gruppen vertritt und den ihnen zugewiesenen Text in wörtlicher Rede wiedergibt. 
    Turban passt auch: Die morgenländischen Besucher an Jesu Krippe hatten bestimmt einen auf dem Kopf!)
  4. Was will der Hölle Schrecken nun?… 
    … was will uns Welt und Sünde tun, da wir in Jesu Händen ruhn? (WO Nr. 63, vierstimmiges Rezitativ)
  5. Was waren die Hl. Drei Könige nach Matthäus von Beruf? Und wie viele waren es?
    Es waren weise Sterndeuter. (Das mit »Sterndeuter« übersetzte griechische Wort (magoi) bezeichnete zunächst die Mitglieder einer persischen Priesterkaste, die sich mit Sternkunde und Astrologie befassten, sodann allgemein babylonische und sonstige Astrologen. Sie wirkten oft als Berater von Königen, Fürsten und reichen Leuten.) Matthäus will vielleicht zeigen, dass das neugeborene Kind globale Bedeutung hat. 
    Wie viele waren es: Im Bibeltext wird keine Zahl genannt. Dass es drei Magier waren, schloss man später aus der Zahl ihrer Geschenke.
  6. Was verbindet „Wie soll ich dich empfangen“ und  „Nun seid ihr wohl gerochen“?
    Beiden Chorälen liegt die Melodie zugrunde, die man aus der Matthäuspassion kennt, »O Haupt voll Blut und Wunden«.
    »Wie soll ich dich empfangen« ist der erste Choral aus der ersten Kantate, »Nun seid ihr wohl gerochen« ist der Schlusschoral der sechsten Kantate.
    Gleichsam wie eine Klammer umschließen die beiden Choräle mit derselben Melodie, aber verschiedenen Unterchören und Instrumental-Begleitungen und daher ganz unterschiedlicher Ausdrucksweise das Weihnachtsoratorium. 

Lösungen von Jutta Knell