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Bild: Sibylle Wendel

Zwischen Monumentalität und verschwebendem Schweigen

ruckners Messe f-Moll in der Pauluskirche Bruchsal

In der Bruchsaler Pauluskirche stand Anton Bruckners Messe f-Moll auf dem Programm. Für dieses anspruchsvolle musikalische Projekt hatten sich der Kammerchor Bruchsal und der Konzertchor Ludwigshafen (Chorleitung: Christiane Michel-Ostertun) zusammengeschlossen. 

Den Auftakt bildeten zwei Werke, die auf ganz unterschiedliche Weise auf das Hauptwerk des Abends einstimmten. In Johannes Brahms’ Alt-Rhapsodie, entstanden nach einem Gedicht Goethes und geprägt von der Erfahrung unerfüllter Liebe und innerer Vereinsamung, sorgte insbesondere der Einsatz des Männerchores für einen bewegenden Moment. Die Verbindung von Orchester, Männerstimmen und Alt-Solo verlieh dem Werk eine eindringliche Ausdruckskraft.

Gustav Holsts Ave Maria bildete dazu einen Kontrast. Der achtstimmige Frauenchor gestaltete das Werk mit ruhiger Linienführung und klanglicher Geschlossenheit.

Im Mittelpunkt des Abends stand Bruckners Messe f-Moll. Sebastian Hübner leitete die Aufführung mit klarer Zeichengebung und sicherem Gespür für die musikalischen Zusammenhänge. Die Messe, die zu Bruckners Lebzeiten als kaum aufführbar galt, stellt an den Chor hohe Anforderungen, ein breites dynamisches und gestalterisches Spektrum vom kraftvollen Fortissimo bis zum differenzierten Pianissimo. Die Chöre überzeugten durch Transparenz, ausgewogene Stimmgruppen und eine gute Balance mit dem Orchester. Die hervorragenden Solisten Giulia Scopelliti (Sopran), Marion Eckstein (Alt), Fabian Kelly (Tenor) und Thomas Jesatko (Bass) überzeugten mit ihren ausdrucksstarken Interpretationen und fügten sich zugleich stimmig in das Gesamtbild der Aufführung ein. Dabei stellten sie ihre individuellen stimmlichen Qualitäten ganz in den Dienst des gemeinsamen musikalischen Ausdrucks.

Bruckners Musik folgt eng der Ausdeutung des liturgischen Textes. Das Et incarnatus est bildet einen ruhigen, zurückgenommenen Abschnitt. Tenorsolo, Frauenstimmen und solistische Streicher verbinden sich zu einem transparenten Klangbild von großer Innigkeit. Das anschließende Et resurrexit entwickelt sich aus einem leisen Paukeneinsatz über die hinzutretenden Streicher und das gesamte Orchester zu einem kraftvollen Höhepunkt, in dem der Chor die Auferstehung im Fortissimo verkündet.

Im Benedictus entfaltet sich eine weit gespannte Melodie, die durch die verschiedenen Stimmen weitergetragen wird. Das abschließende Dona nobis pacem schließlich gewinnt eine Bedeutung, die weit über den liturgischen Rahmen hinausreicht. Die sehnsüchtige Bitte um Frieden und Erbarmen in einer erbarmungslosen Welt besitzt heute eine ebenso bedrängende Aktualität wie zu Bruckners Zeit.

Ein zartes Oboensolo führt das Werk in einen ruhigen Ausklang. Der Schluss auf der Quinte statt auf dem Grundton lässt die Musik in einer offenen Klangspannung zurück. Nach den großen orchestralen und chorischen Steigerungen endet die Messe in einem verschwebenden Schweigen.

Das Publikum dankte Chor, Orchester und Solisten nach einer intensiven  Stille mit lang anhaltendem Applaus.

Bernhard Dedera