Foto: Björn Wamser

Das Lieben bringt groß Freud

Volkslieder und andere weltliche Gesänge im Kammermusiksaal

 

BRUCHSAL Mit einem fein durchdachten Programm unter dem Titel „Das Lieben bringt große Freud“ konzertierte der Kammerchor Bruchsal am Sonntag im Kammermusiksaal des Schlosses Bruchsal. Unter der Leitung von Sebastian Hübner und mit Miriam Kang am Klavier präsentierte das Ensemble Volkslieder und weltliche Chormusik verschiedener Epochen – ein Abend, der durch stilistische Vielfalt, kluge Dramaturgie und hohe interpretatorische Qualität überzeugte.

Gerade bei den »einfachen« Volksliedsätzen zeigte sich die besondere Stärke des Kammerchors Bruchsal: ein intensiv geführtes, klanglich gefülltes Piano, präzise Artikulation sowie eine klare, stets nachvollziehbare Textausdeutung. Die Sängerinnen und Sänger gestalteten die Liedsätze lebendig und differenziert, ohne je den schlichten Charakter der Vorlagen zu verlieren. Mit einem solchen Piano das Konzert zu beginnen war atemberaubend. 

Zu den Höhepunkten des Abends zählten die beiden Werke von Max Reger. In seiner Chorbearbeitung von „Ich hab’ die Nacht geträumet“ verdichtet Reger das poetische Bild durch nuancierte spätromantische Harmonik. Der Kammerchor machte diese feinen Spannungen hörbar und verband die Schlichtheit des Volksliedtons mit der expressiven Tiefe zu einer eindringlichen musikalischen Miniatur.

Einen weiteren Schwerpunkt bildeten Chorsätze von Johannes Brahms: „O schöne Nacht“, „Der Abend“ und „Nächtens“. Hier erschien die Nacht in ihren gegensätzlichen Facetten – als bergender Raum der Ruhe ebenso wie als Ort diffuser Bedrohung. Besonders in „Nächtens“ gelang es dem Chor, die Atmosphäre zwischen Unruhe und Dunkel suggestiv auszuleuchten.

Ein besonderer Moment des Konzerts war die Uraufführung einer neuen Komposition von Henric Wagenmann: „Zogen einst fünf wilde Schwäne“. Das Werk beeindruckte durch die Unheil verkündenden Trompeten in Alt und Sopran und durch seinen beklemmenden Schluss, in dem die Stimmen nach und nach verstummen und sich der Klang gleichsam in tödliches  Schweigen zurückzieht – ein starker, nachwirkender Effekt.

Klug gegliedert wurde das Programm durch Schumanns „Kinderszenen“, jene poetischen „Rückspiegelungen eines Älteren und für Ältere“, stilsicher interpretiert von Miriam Kang. Ihr sensibles Spiel auf höchstem Niveau setzte reizvolle Kontraste und verband die Programmteile auf organische Weise.

Der lang anhaltende Beifall des Publikums bestätigte die hohe Qualität dieses Konzertabends. Mit einer schwungvollen, temperamentvollen Zugabe verabschiedete der Kammerchor Bruchsal seine Zuhörer beglückt und mit großer Freude in den regnerischen Maiabend.

Bernhard Dedera