Das schreibt die BNN zum Konzert des Kammerchors am 14. Juli 2019 im Bürgerzentrum: 

Kammerchor Bruchsal führte romantische Werke auf

 Das Konzert fand im Bürgerzentrum in Bruchsal erstmals unter der Leitung von Sebastian Hübner statt. Es erklangen Werke von Mendelsohn Bartholdy, Hensel, Reger und Brahms, die überwiegend A-cappella vorgetragen wurden. Abgerundet wurde das Programm durch „Lieder ohne Worte“ für Klavier von Mendelsohn Bartholdy, gespielt vom jungen Pianisten Toshiki Esau.

Eröffnet wurde das Konzert mit dem innigen „Morgengebet“ von Felix Mendelsohn Bartholdy. Mit differenziertem und dynamisch fein ausgelotetem Klang sang der Chor von Beginn an mit einer sehr deutlichen Artikulation. Wilhelm Hensel dichtete für seine Frau Fanny den „Morgengruß“, den sie 1846 in ihren Gartenliedern vertonte. Ausdrucksvoll und mit großem dynamischem Spektrum verdeutlichte der Kammerchor die Huldigung an die Natur ebenso wie in „Frühlingsahnung“ von Mendelsohn Bartholdy und „Lockung“ von Fanny Hensel.

Elegisch-verklärt erklang das „Nachtlied“ von Max Reger sowie „In stiller Nacht“ von Johannes Brahms. Die romantische unerfüllte Sehnsucht verdeutlichte der Chor mit schwermütigem Ausdruck in „Ruhetal“ von Mendelsohn Bartholdy, „Abendlich schon rauscht der Wald“ von Hensel und „Ach, Bäumchen“ von Reger. Stimmgewaltig erklangen die gewitzten „Neckereien“ von Brahms, begleitet von Esau am Klavier. Der Pianist begeisterte solistisch mit vier „Lieder ohne Worte“ von Mendelsohn Bartholdy. Mit virtuosem Spiel musizierte er die lyrischen Stücke von liedhafter Beschaffenheit klangmalerisch. Zum Abschluss setzte der Chor ein musikalisches Ausrufezeichen im hoffnungsvollen Abendlied „Verstohlen geht der Mond auf“ von Brahms.

Mit drei Zugaben beendeten der Kammerchor Bruchsal und Pianist Toshiko Esau die Reise in die romantische Klangwelt. 

Simone Tonka

 

Mit freundlicher Genehmigung der Bruchsaler Rundschau und Markus Mertens

Sakrales Flüstern, adventliche Pracht

 

Den Höhepunkt dieses bezeichnenden Adventskonzerts erleben die Reihen in der Bruchsaler Hofkirche nach genau 40 Minuten und 38 Sekunden. Da funkelt Charles Villiers Stanfords opulentes „Magnificat in C“ mit all seiner Macht durch das gewaltige Kirchenschiff – und ein sichtlich ergriffenes Publikum muss fast an sich halten, nicht lautstark loszuklatschen.
Grund dazu gäbe es an diesem Abend, den der 26-stimmige Kammerchor zu einem wahren Erlebnis gestaltet.
Zum einen, weil Dirigentin Song-Yi Lee ihre Stimmgruppen meisterlich geordnet hat und mit einer formidablen Mischung aus Empathie und Strenge führt – zum anderen aber, weil diese atmosphärisch dichte Stunde dramaturgisch so klug gebaut ist, dass wir uns am Ende fast erlöst fühlen dürfen.
Doch von Anfang an. Denn am Anfang herrscht Stille und mit ihr ein zaghafter Heinrich Schütz, der sich inniglich wünscht: „Tröstet, tröstet mein Volk“. Entsprechend vorsichtig kommen auch die gelesenen Worte aus dem Buch Jesaja daher, die Sprecher  Bernhard Dedera achtsam und niemals pathetisch verliest, um sie klangvoll wirken zu lassen. Was sich auch über die sängerischen Leistungen sagen lässt, die in ihrer erhabenen Qualität für sich sprechen, um sich Konzertmoment für Konzertmoment langsam aber sicher in Richtung Zenit zu erheben.

Dementsprechend konsequent geht der Prozess moralischer Aufrichtung über das Traditionsstück „Meine Seele erhebt den Herren“, ein sattes „Pater noster“ von Strawinsky und die sakrale Melancholie aus Morten Lauridsens „O magnum mysterium“ ins tonale Elysium.
Selbst bei Jesaja sind wir mittlerweile längst bei jenen Passagen angekommen, die Kalb und Löwe, Kuh und Bär zu innigen Freunden machen und jenen paradiesischen Zustand der Glückseligkeit zelebrieren. Organist Dominik Axtmann, der bereits im Continuo-Klang mit blinder Selbstverständlichkeit überzeugte, muss mit der herrlichen Guilmant-Paraphrase auf Händels „Tochter Zion“ da im besten Sinne nur noch das melodische Beiwerk eines Programms liefern, das in sich selbst derart stimmig daherkommt, das man ins Schwärmen geraten könnte. Nicht, weil sich  Gesangsensemble und Instrumentalisten für ein besonders wirkungsvolles Programm entschieden hätten, sondern gerade und besonders, weil sie mit bescheidener Perfektion sakrales Flüstern und adventliche Pracht zu einem Genuss verzwirnen, der am Ende fast schon stehend gefeiert wird.

Markus Mertens

Bericht in der Bruchsaler Rundschau zum Konzert

Novembernacht mit Musik erfüllt

Kammerchor Bruchsal begeistert mit Konzert

„And the Night shall be filled with Music“ – die Nacht soll erfüllt sein mit Musik, diesem Motto hauchte der kleine aber feine Kammerchor Bruchsal auf hohem Niveau Leben und Seele ein. Die Konzertbesucher in der Aula des Heisenberg Gymnasiums durften sich freuen auf einen kreativen Wettstreit zwischen Chor, Klavier und Stimme im Spiegel des 18. bis 20. Jahrhunderts.

Musikstücke von Josef Haydn, Robert Schumann, Gioachino Rossini, Maurice Ravel, Camille Saint-Saens, Mortem Lauridsen, Johannes Brahms, Eric Whitacre und Greg Gilpin erklangen. Vertieft wurden die Musikstücke mit Lyrik und Gedanken von Wilhelm Busch, Johann Wolfgang Goethe, Eric Fried, Else Lasker-Schüler, Hermann Hesse, Friedrich Hölderlin und Josef Eichendorf – exzellent vorgetragen von Bernhard Dedera. Alle Kompositionen und Texten spiegelten die Stimmungen der Menschen im grauen, oft mit Nebel erfüllten November wider, aber auch die Freude, die Lust zu singen und zu fabulieren über die Natur, die Liebe und das Leben.

Den Taktstock führte Ulrich Brückmann, Toshiki Esau begleitete den Chor am Klavier. Mit Solostücken für Klavier vom Robert Schumann und Johannes Brahms brillierte die Pianistin Izumi Shishino-Esau. Es war beeindruckend mitzuerleben, mit welcher Leidenschaft, Eifer und großen Stimmen die derzeit 35 Sängerinnen und Sänger die teils hohe Anforderungen stellenden Musikstücke meisterten. Alle sehen sich als Sänger, die ihr Hobby mit Einsatz und Freude an der Musik ausüben.

Gegründet hat sich der Chor im Jahr 1984. Schwerpunkt seines Repertoires liegt auf barocken und romantischen Kompositionen. Immer wieder ergänzt er seine Konzerte mit außergewöhnlichen Projekten so auch dieses Konzert am Sonntagabend. Mit viel Applaus bedankte sich ein begeistertes Publikum für das Gehörte.

hüb

Das schreibt die BNN zum Konzert »O Magnum Mysterium«

„O Magnum Mysterium“

Glanzvolles Konzert des Kammerchors in der Barockkirche St. Peter Bruchsa

Am schönsten und besten Ort, den Bruchsal, ja die ganze Region zu bieten hat, zelebriert der Bruchsaler Kammerchor und erstmals unter neuer Leitung ein lupenreines A-Cappella-Programm der besonderen Art im besonderen Ambiente. Konzerte mit anspruchsvoller Musik sind in St. Peter immer Kunstsparten übergreifend, immer multisensorisch für Auge und Ohr. Letzteres im doppelten Sinne, weil das Gehörte eine Leistung der Musiker und Sänger abbildet, gleichzeitig aber von der einmaligen Raumakustik erhöht, quasi vergoldet wird. Was den geneigten Zuhörer beglückt, ist für die Akteure eine besondere Herausforderung, weil der kuppel-verzögerte Nachhall äußerste Präzision der Tempi und Artikulation abverlangt. Genau das ist es, was dem Schirrmeister-Nachfolger Andreas Christoph Meier meisterhaft gelang, nämlich mit dem Raum musizieren, geduldig die Echos auskosten und die denkbar größte dynamische Spannweite wagen. Vom gesunden fast Te-Deum-geeigneten Fortissimo bei Bruckner bis zum unerhörten Pianissimo in erlösenden Dur-Schlüssen bei Reger, Brahms und Mendelssohn. Erlesene Motetten aus Romantik bis Gegenwart und ein thematischer Rahmen, der den theologischen wie auch musikologischen Meister erkennen lässt. Im Wechsel dazu wiederum thematisch abgestimmt ein Reigen Bach’scher Orgelmusik mit Johannes Sieber im Bruchsaler Heimvorteil, der in Freiburg Schul- und Kirchenmusik studierte und aktuell zu den Gefragtesten seiner Zunft zählt. Mit Bach fang an, mit Bach hör auf, nicht ganz, weil im Finale die Brahms’sche Variante zum entsprungenen Ros besser passte, zeigte er sein Meisterschaft mit kluger Registrierung, ein Aufwach-Tutti zum Einstieg, flinke Virtuosität in BWV 601 und ausgekostete Linien und Phrasierungen in den Leipziger- und Schübler-Chorälen, auch in den Choralvorspielen aus dem Orgelbüchlein. Der mit versierten Stimmen besetzte Kammerchor gestaltet durchweg hoch konzentriert mit homogenem Diskantklang, präsentem Alt, auch als zweiter Sopran in Engführungen überzeugend, mit tragfähigem Tenor in allen Höhen und einem immer kultiviert fundierenden Bass. Dem wohlvorbereiteten Chor gelingen alle freien Sprünge in andere Tonarten, er phrasiert immer sensibel, niemals aufdringlich und genießt den Klangzauber im dafür idealen Kirchenraum. Der Dirigent hat die Noten im Kopf, was seine hervorragende Meisterschaft und solide Vorbereitung beweisen. Den Feinschliff erhielt der gebürtige Mittelbadener und ebenfalls professionelle Schul- und Kirchenmusiker an den Hochschulen in Karlsruhe und Rottenburg. Seine künstlerische Schuhgröße ist passgenau zu Martin Schirrmeisters Fußstapfen, und für den Bruchsaler, aber auch überregional anerkannten und gelobten Kammerchor ein Glücksfall, mit Andreas Meier künftig zu arbeiten. Feinste Klangfarben in Anton Bruckners Virga Jesse (1885) und ein Gänsehaut auslösendes dreifach-Pianis-simo im E-Dur-Schluss des Allelujas im wirklich einmaligen Klangerlebnis für alle Freunde anspruchsvoller Chormusik.

Zeitgenössisch endet das bemerkenswerte Konzert mit dem titelgebenden „O magnum mysterium“ von Morten Lauridsen vor dem Weihnachtsklassiker „Es ist ein Ros entsprungen“ von Michael Prätorius, das Andreas Meier auf Halbe dirigiert, weil er weiß, wie man tragfähige Linien zeichnet und musikalische Spannung in die große Akustik zaubert. Und da kommt Friedrich Schiller in den Sinn, weil die hohe Kunst uns an goldenen Ringen zwischen Erd‘ und Himmel schwebend hält.

Johann Beichel

Das schreibt die BNN zum Passionskonzert 2016:

Martin Schirrmeister verabschiedet sich als musikalischer Leiter des Kammerchors Bruchsal

Kaum waren die Klänge des Chors zu den Worten »Wir setzen uns in Tränen nieder« verklungen, erhoben sich auch schon die ergriffenen Zuhörer mit feuchten Augen, um am Ende der großartigen Darbietung der »Matthäuspassion« von Johann Sebastian Bach den Ausführenden ihren Respekt zu zollen, wobei das Bewusstsein, Martin Schirrmeister als musikalischen Leiter zum letzten Mal erlebt zu haben, eine nicht unerhebliche Rolle gespielt haben dürfte. Die Einstudierung dieser Komposition, Gipfel ihrer Gattung, Offenbarung von zeitloser Vollkommenheit, bedarf einer äußerst sensiblen Herangehensweise, eines ausgeprägten Gespürs für die dem Werk innewohnende Dramatik einerseits und der Schwermut und Elegie andrerseits. Dank dieser Fähigkeiten gelang dem musikalischen Leiter eine mustergültige Interpretation. Die vom Komponisten geforderten beiden Chöre entsprachen den Kammerchören von Bruchsal und Oberaspach. Die Präzision bei den dramatischen Wechselgesprächen und den stürmischen polyphonen Teilen ließ die Zuhörerschaft erstaunen, die klangliche Reinheit insbesondere bei den sehr vom Sprachduktus aus gestalten dynamisch sehr differenzierten Choräle gingen zu Herzen. Die Solisten waren allererste Sahne: Der lyrische Tenor Sebastian Hübner gestaltete seinen Part als Evangelist mit lebendiger Klarheit bis in die höchsten Tonlagen. Dem Bassisten Matthias Horn waren die Jesusworte vorbehalten, Raimund Nolte die Bass-Arien. Beide Sänger mit ihrem voluminösen und zugleich wohltuenden Timbre loteten die Tiefen ihrer Parts sorgfältig aus. Dasselbe gilt für die mit einer edlen Sopranstimme begabte Antonia Bourvé. Besonders eindrucksvoll gestaltete die Altistin Marion Eckstein ihre Arien: in allen Tonlagen präsent, sicher und überlegen in den Koloraturen, eindringlich bei den melodischen Bögen. Ein großes Lob gebührt auch dem Karlsruher Barockorchester: Nie aufdringlich, immer präsent gerierte es sich als idealer Klangkörper, bei welchem Stefanie Kessler (Flöte), Georg Siebert und Anna Seidenglanz (Oboen), Dietrich Schüz und Gundula Jaene (Violinen), mit Alexander Strauss am Cembalo und an der Orgel die Aufgaben der konzertierenden Instrumente bei den Arien mit sicherem Gespür für die barocke Tonsprache überlegen gestalteten. Die Trauerode über den verstorbenen Jesus am Ende dieses legendären musikalischen Ereignisses hallte noch lange nach. Jedoch erstrahlte gleichzeitig das Bild des Auferstandenen an der Wand im Hintergrund in der Lutherkirche: Trost und Symbol des nahenden Osterfestes zugleich.

Herbert Menrath