2015

Eine Stunde der Besinnung

Passionskonzert 2015 b (Konflikte durch Groß- und Kleinschreibung (1))Ein Stunde der Erbauung und des Sich-Versenkens in das Geheimnis des christlichen Glaubens konnte man in der Lutherkirche in Bruchsal erleben, ein Präsent des Kammerchores Bruchsal unter der umsichtigen und sensiblen Führung von Martin Schirrmeister. Die Chorwerke – Motetten von Komponisten aus der über mehrere Generationen reich verzweigten Bach-Familie – sehr sorgfältig ausgewählt, sind beredter Ausdruck und atmen den Geist tiefer barocker Frömmigkeit. Sie künden von der Erlösung durch das Blut Jesu Christi, von der Auferstehung und dem ewigen Leben, versenken sich in Demut in die Nichtigkeit irdischen Daseins und verweilen beharrlich in Gedanken an eine bessere Welt. Dass mit der Bitte um inneren und äußeren Frieden durch Johann Sebastian Bachs „Dona nobis pacem“ aus seiner H-moll-Messe – einem Wunderwerk imitatorischer Satzkunst – eine Brücke zur abschließenden Motette „Ich lieg und schlafe ganz mit Frieden“ des Sohnes Johann Christian Friedrich geschlagen wurde, ist einer genialen Idee des Chorleiters zu verdanken. Der Kammerchor erfreut nach wie vor durch eine vorzügliche Deklamation und brillante Leichtigkeit. Seine stärksten Momente hat er in den Piano Abschnitten, insbesondere in den mittleren und tieferen Lagen, innerhalb derer er noch sehr feinsinnig zu differenzieren vermag. Großen Eindruck hinterließ die Interpretation von Johann Bachs „Unser Leben ist ein Schatten“, wo musikalisch-rhetorische Figuren der emphatischen Hervorhebung einzelner Wörter und Wendungen wie „Schatten“ oder „der wird leben“ dienen und diese Stellen vom Chor auch sehr sinnfällig und mit durchsichtiger Leichtigkeit gemeistert wurden. Dabei begegneten sich zeitweise zwei Klangkörper: Einem Terzett (Chorus latens) mit Sybille Wendel (Alt), Reiner Auch (Tenor) und Andreas Fröhlich (Bass) antwortete der große Chor mit einem traumhaft schönen Echo. Krönender Abschluss war das bereits erwähnte „Ich lieg und schlafe ganz mit Frieden“ des sog. Bückeburger Bachs. Ein Meer voll Bewegung und differenzierter Dynamik, eine Fülle von musikalischen Gedanken, die in eine bewegte Fuge münden und ein Choral mit tiefgründigen Gedanken lassen schon am Horizont die Morgenröte einer neuen Zeit, nämlich der Klassik erahnen.Passionskonzert 2015 a (Konflikte durch Groß- und Kleinschreibung)

Der Basso continuo war mit Bernhard Spranger (Violoncello), Soshi Nishimura (Kontrabass) und Markus Zepp an der Truhenorgel bestens besetzt und hatte wesentlichen Anteil an der Qualität der dargebotenen Werke. Markus Zepp spielte dazwischen auf der Truhenorgel eine Choralpartita von Johann Pachelbel und ein Voluntary von Georg Friedrich Händel, wobei er die klanglichen Möglichkeiten des klein dimensionierten Instrumentes voll ausschöpfte. Wahrlich, ein würdiges und zu Herzen gehendes Passionskonzert.

BNN  Herbert Menrath