Bericht vom 10. 12. 2018

Mit freundlicher Genehmigung der Bruchsaler Rundschau und Markus Mertens

Sakrales Flüstern, adventliche Pracht 

Zum Adventskonzert präsentierte sich ein starker Kammerchor, der unter der kompetenten Leitung von Song-Yi Lee in der Bruchsaler Hofkirche sichtlich aufblühte. Bild: Markus Mertens

Den Höhepunkt dieses bezeichnenden Adventskonzerts erleben die Reihen in der Bruchsaler Hofkirche nach genau 40 Minuten und 38 Sekunden. Da funkelt Charles Villiers Stanfords opulentes „Magnificat in C“ mit all seiner Macht durch das gewaltige Kirchenschiff – und ein sichtlich ergriffenes Publikum muss fast an sich halten, nicht lautstark loszuklatschen. 

Empathisch und streng gleichermaßen – die unbändig starke Chorleiterin Song-Yi Lee. Bild: Markus Mertens

Grund dazu gäbe es an diesem Abend, den der 26-stimmige Kammerchor zu einem wahren Erlebnis gestaltet.

Zum einen, weil Dirigentin Song-Yi Lee ihre Stimmgruppen meisterlich geordnet hat und mit einer formidablen Mischung aus Empathie und Strenge führt – zum anderen aber, weil diese atmosphärisch dichte Stunde dramaturgisch so klug gebaut ist, dass wir uns am Ende fast erlöst fühlen dürfen.

Doch von Anfang an. Denn am Anfang herrscht Stille und mit ihr ein zaghafter Heinrich Schütz, der sich inniglich wünscht: „Tröstet, tröstet mein Volk“. Entsprechend vorsichtig kommen auch die gelesenen Worte aus dem Buch Jesaja daher, die Sprecher  Bernhard Dedera achtsam und niemals pathetisch verliest, um sie klangvoll wirken zu lassen. Was sich auch über die sängerischen Leistungen sagen lässt, die in ihrer erhabenen Qualität für sich sprechen, um sich Konzertmoment für Konzertmoment langsam aber sicher in Richtung Zenit zu erheben.

Bernhard Dedera trug gefühlvoll die Bibelstellen aus dem Buch Jesaja vor. Bild: Markus Mertens

Dementsprechend konsequent geht der Prozess moralischer Aufrichtung über das Traditionsstück „Meine Seele erhebt den Herren“, ein sattes „Pater noster“ von Strawinsky und die sakrale Melancholie aus Morten Lauridsens „O magnum mysterium“ ins tonale Elysium. 

Selbst bei Jesaja sind wir mittlerweile längst bei jenen Passagen angekommen, die Kalb und Löwe, Kuh und Bär zu innigen Freunden machen und jenen paradiesischen Zustand der Glückseligkeit zelebrieren. Organist Dominik Axtmann, der bereits im Continuo-Klang mit blinder Selbstverständlichkeit überzeugte, muss mit der herrlichen Guilmant-Paraphrase auf Händels „Tochter Zion“ da im besten Sinne nur noch das melodische Beiwerk eines Programms liefern, das in sich selbst derart stimmig daherkommt, das man ins Schwärmen geraten könnte. Nicht, weil sich  Gesangsensemble und Instrumentalisten für ein besonders wirkungsvolles Programm entschieden hätten, sondern gerade und besonders, weil sie mit bescheidener Perfektion sakrales Flüstern und adventliche Pracht zu einem Genuss verzwirnen, der am Ende fast schon stehend gefeiert wird.

Markus Mertens

Das Programmheft Online

Song-Yi Lee

Frau Song-Yi Lee wird bis zum Adventskonzert 2018 den Kammerchor interimsmäßig leiten. Sie wurde in Seoul (Südkorea) geboren. Sie studierte Gesang am Presbyterian College & Theological Seminary in Seoul. 2009 begann sie mit der künstlerischen Ausbildung bei Prof. Carola Keil an der Hochschule für Kirchenmusik in Heidelberg und schloss diese 2011 mit dem Examen in Gesang ab. Anschließend begann sie mit dem Studium der Kirchenmusik ebenfalls an der Hochschule, welches sie 2015 mit dem Erwerb des kirchenmusikalischen B-Diploms, 2017 mit dem Aufbaustudiengang Kirchenmusik(A) abschloss und anschließend ihr Studium und Chorleitung bei KMD Prof. Bernd Stegmann und Orgelimprovisation bei Dr. Prof. Gerhard Luchterhandt fortsetzte.

Wir danken Frau Lee, dass sie sich bereiterklärt hat, die musikalische Arbeit des Kammerchors im Jahr 2018 weiterzuführen.

Sebastian Hübner ist neuer Dirigent bei Kammerchor Bruchsal

Sebastian Hübner

Nach einer intensiven Chorleitersuche hat sich der Chor für Sebastian Hübner entschieden. Er ist dem Kammerchor schon als Sänger in der Matthäuspassion bekannt.

Sebastian Hübner studierte nach einer Ausbildung zum Geigenbauer Gesang an den Musikhochschulen Stuttgart und Mannheim. Die Schwerpunkte seiner internationalen Konzerttätgkeit liegen in der Alten und in der Neuen Musik. Seine Lehrtätigkeit führte ihn an die Musikhochschule Frankfurt/Main und an die Hochschule für Kirchenmusik in Heidelberg. Hier wurde er im Jahr 2015 zum Honorarprofessor ernannt. Neben seiner Konzerttätigkeit widmet es sich vermehrt der Chorleitung.

Wir freuen uns auf eine gute Zusammenarbeit und viele spannende  Konzerte.


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